Donnerstag, 29. Oktober 2015

Deutsch- Japanisches Austauschprogramm für junge Ehrenamtliche - Tag 8&9&10 in Iwate

Gegen Mittag starteten wir also mit dem Bus von Karakuwa nach Iwate. Mittag gab es auf einem Restaurant hoch oben mit Ausblick über Klippen - und einer Portion Ramen in XXL! NYAM! Jens und ich haben ein kleines Wettessen veranstalten und dreimal dürfte ihr raten wer gewonnen hat! Hurrhurr! Danach war ich aber auch Kugelrund :D Die Fahrt nach Iwate verlief quer durch vom Tsunami zerstörten Gebiete. Es ist wirklich noch viel zerstört aber Schutt haben wir kaum noch gesehen, dafür viele große Baustellen und die Wunderkiefer von Rikuzentakata. Die Kiefer hatte als Einzige von einem großen Kiefernwald den Tsunami überstanden. 2012 ging die Kiefer allerdings ein und jetzt steht dort zum andenken eine Nachbaute der Kiefer - schon irgendwie skurril!
Gegen Nachmittag kamen wir dann endlich im National Iwate-san Youth Friendship Center an, auch Ten-Park genannt. Iwate-san ist der größte Vulkan im Norden und zu seinen Füßen liegt Ten-Park. Das Maskottchen des Youth Centers ist Ten-chan, ein kleiner gelber Mader. Ten-Park ist eine große Einrichtungen in denen mehrere Gruppen gleichzeitig untergebracht werden können. Neben uns waren auch Schulklassen, aber auch andere Kulturgruppen untergebracht. Wir waren in große Tatamimattenzimmern untergebracht und ich war wirklich glücklich mit meiner Mädchengang! Aber das andere Zimmer wäre auch cool gewesen... too much love! Am ersten Tag ist nicht so viel passiert, es gab eine Führung, einige Reden, eine ziemlich coole Aufführung der Cheerleader der MiddleSchool (Japanese Style), Abendessen und ... ja, da war da noch das Baden im Gemeinschaftsbad (getrennt nach Geschlechtern). Als fleißiger Manga Leser und Anime Gucker wusste ich natürlich schon wie das ganze ablaufen würde, meine prüde Westdeutsche Seele hat vor Scham aber vorab ganz schön gejault und es hat mich viiiiieeeel Überwindung gekostet. Immerhin ging es den anderen zum Teil auch nicht anders und gemeinsam haben wir uns überwunden. nach dem ersten Tag haben wir uns eigentlich alle jeden Abend darauf gefreut zusammen im heißen Wasser zu sitzen, die Seele baumeln zu lassen und zu tratschen. Gemeinsam nackt sein verbindet einen dann doch nochmal ganz anders und schweißt zusammen (vor allem wenn es für so viele etwas aufregendes, neues ist). Bade-buddies 4 eva! Da um 10 Uhr Nachtruhe in der Anlage ist und die Lichter ausgehen ist an dem Tag auch nicht mehr viel passiert.
Am nächsten Tag dann ging es früh morgens los mit dem morgen Appell. Da müssen alle auf dem Hof zusammen kommen und sich ordentlich aufstellen. Dann wird zur japanischen Nationalhymne die Flagge gehisst. Wir mussten auch unsere deutsche Flagge hissen. Anschließend hieß es es Taiso Radio Gymnastik. Die läuft jeden morgen im japanischen Radio und soll fit halten!
Bei mir war da leider schon Hopfen und Malz verloren, ich hatte mir durch die Klimaanlage im Bus am Vortag schön eine dicke, fette Erkältung eingefangen. Während die anderen mit den jungen ehrenamtlichen von Ten-park über Ehrenamt in Japan und Deutschland diskutierten, haben Nici und ich im Zimmer noch ein kleines Schläfchen gehalten, schließlich hilft nichts mehr bei Krankheit als sich auszuruhen. Da krank sein während so einer Reise aber stinkt, haben wir uns gegen Mittag wieder hoch gequält, weil wir dann mit den japanisches ehrenamtlichen im Wald gekocht haben. Ten-Park hat eine große Kochstation im Wald mit fließenden Wasser, Feuerofen und Feuerstellen. Wir sind in drei Gruppen eingeteilt worden und die gestellten Lebensmittel mussten aufgeteilt werden.Wir haben uns für Yakisoba (Bratnudeln) und Pizza entschieden. Unsere Nudeln sind super geworden, und die Bananen-Schinken-Pizza war ein Traum :D Die anderen Teams waren etwas neidisch ;)
Anschließend ging es an die Vorbereitung des nächsten Tages. Hier würden wir eine Grundschule besuchen und sollten mit spielen eine Unterrichtsstunde füllen. Meine Gruppe hatte die 3&4-Klässler betreut. Die Überlegungen, welche Spiele man spielen könnte und wie man sie vermitteln kann hat wirklich viel Spaß gemacht! Wir haben uns am Ende für ein Klatschspiel, Reise nach Jerusalem und Stille Post entschieden. Der Tag in der Grundschule fing für uns natürlich erstmal im Tenpark mit dem Morgenappell und Gymnastik an. Dann ging es mit dem Bus zur Schule, wo wir zunächst in der Aula begrüßt wurden. Danach hatten die Schüler Unterricht und wir durften mal in alle Klassen reinschnuppern. Besonders süß war der Musikunterricht mit den 1&2 Klässlern, bei dem wir auch ein bisschen aktiv mitmachen durften. An einer Stelle wollte ein kleines Mädchen auf Mathes Rücken, als er sich dann aber mit ihr aufrichtete hatte sie ganz schnell Höhenangst! So süß! xD ("Viel höher als bei Papa!"). Anschließend war es Zeit für unsere Unterrichtsstunde mit den Kindern. Die Zeit verging wie im Flug und unsere Spiele sind super angekommen. Vor allem stille Post, das wir abwechselnd mit deutschen und japanischen Wörtern gespielt haben, war der Brüller. In der Aula gab es dann Mittagessen für alle und wir haben das japanische Schulessen probieren dürfen - leider auch in der Größe für Grundschüler. Da wird man als Erwachsener nicht wirklich satt von. Aber erstaunlich lecker war es, es gab Curry, Reis und Misosuppe (da kann man ja auch nicht viel verkehrt machen!). Meine Tischnachbarn waren ein paar von den älteren Kindern aus der 5&6 Klasse und wir haben uns hervorragend über One Piece und Naruto unterhalten, auch ohne eine gemeinsame Sprache. Der Leiter von Tenpark, der mir schräg gegenüber saß, konnte da leider nicht richtig mithalten. Nach dem kärglichen Mal ging es zu einer Diskussionsrunde mit dem Bürgermeister der Stadt. Da nur eine Stunde angesetzt war und die Formalitäten (Vorstellen, Geschenke überreichen, kurze Reden) schon rund 50 min in Anspruch genommen haben ist Diskussion auch wirklich zu viel gesagt.
Typisch japanisch eben! Mehr Action gab es dann in der Turnhalle, die Kinder haben uns einen traditionellen Tanz vorgeführt, den "Chagu Chagu". Der wird immer am zweitem Samstag im Juni aufgeführt, wenn 100 Pferde aus den Bergen in die Stadt zum Schrein geführt werden. Sie sind dabei mit Glocken geschmückt die das Geräusch"Chagu Chagu" machen. Die Kids waren echt super und unsere Märchenaufführung und das singen mit den Kindern hinterher hat richtig dagegen abgestunken. Aber wir haben unser bestes gegeben, und ich denke die Kinder hatten Spaß!
Der Tag war wirklich super und spannend gewesen, aber die Aufregung war für diesen Tag noch nicht ganz vorbei, denn Abends sollten wir unsere Gastfamilien kennen lernen und mit Ihnen das Wochenende verbringen!

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