Montag, 26. Oktober 2015

Deutsch- Japanisches Austauschprogramm für junge Ehrenamtliche - Tag 7&8 in Karakuwa


Am morgen des 7ten Tages haben wir als Tokyo in Richtung Norden nach Miyagi verlassen. Wir sind vom Tokyoter Hauptbahnhof mit dem Shinkansen gefahren, und das war schon wirklich etwas anderes als unsere ICEs. Allein die drehbaren Sitzreihen sind ja schon ein Highlight, aber insgesamt ist er super bequem und leise und die Nasszellen sind richtig sauber rund fast schon schick! Da kommt Zug fahren schon nahe dran ans Spaß machen! Während der Zugfahrt haben wir Prominente erraten gemacht und ich habe bei der zweiten Runde mit nur einer Frage gewonnen :D Mathes hatte es als Cronout etwas schwieriger, dabei war dieses famose Gebäck vorher großes Gesprächsthema gewesen ;D Nach doch erstaunlich kurzer Fahrt kamen wir dann ich Miyagi an. Es ging direkt weiter im Bus nach Karakuwa, zwischendrin gab es dann einen Stop wo wir super leckere riesen Bentoboxen bekommen haben, allerdings sogar mit dem ein oder anderen Inhalt der auch mir fremd war! Nyomnyom! Und dann nach einer halben Tagesreise kamen wir in Karakuwa an!
Karakuwa ist eine kleine Stadt auf der Karakuwahalbinsel. Die Stadt wird von der Fischerei bestimmt und ist bei dem Tsunami 2011 zu einem großen Teil zerstört worden. Wir blieben in der Herberge Tsunakan von Frau Kanno, der wohl verrücktesten Japanerin die ich je kennengelernt habe! (Hier ein weiterer Erfahrungsbericht). Sie ist unglaublich laut und voller Gastfreundschaft, hat keine Angst ihr falsches Englisch zu benutzen und machten einen versauten Witz nach dem anderen. Tolle Frau! Das Gebäude auf dem Bild ist die Herbegere Tsunakan. Hier haben die Jungs übernachtet.
Wir Mädchen haben in dem Haus dahinter übernachtet. Das ist das Haus der Familie Kanno! Wir waren auf der unteren Ebene und alles war voller Futons XD Ich hab mich sehr darüber gefreut das wir an diesem idyllischen Fleckchen Land auch so typisch Japanisch schlafen und essen sollten <3 Hinter dem Haus der Familie Kanno ging es einen steilen Hügel hoch auf dem ein Schrein steht. Außerdem besitzt die Familie noch eine kleine Partyhütte, ein Baumhaus und eine Sternebeobachtungsplattform! geht es viel schöner? Neben der Herberge die Frau Kanno betreibt hat Herr Kanno eine Muschelzucht. Der Sohn hilft tagsüber auf der Muschelfarm und steht Abends als Koch in der Küche. Dem entsprechen haben wir Abends wirklich hervorragend gegessen! Es gab  wirklich wunderbar angemachtes Sashimi, jeder menge Jakobsmuscheln und für die nicht Fischesser ein herzhaftes Curry! Ich hab natürlich bei allem reichlich zugeschlagen! ;) Beim Abendessen haben wir auch ein paar Mitglieder von Karakuwa-Maru kennengelernt. Karakuwa-Maru ist der Grund weswegen wir Karakuwa besuchen durften. Es ist ein Verein der versucht den Bewohner von Karakuwa die Schönheit und Geschichte der eigenen Region wieder näher zu bringen. Aber warum ist das überhaupt nötig? Wie schon kurz erwähnt ist Karakuwa ein Ort der von der Erdbeben & Tsunamikatastrophe 2011 betroffen war. Beide Häuser von der Familie Kanno sind 2011 bis ins dritte Stockwerk von der Welle überschwemt worden. Frau Kanno selbst hat uns erzählt wie sie auf dem Hügel mit dem Schrein hinter ihrem Haus stand und zu sehen musste wie nicht nur ihre gesamte Existenz weggespült wurde, sondern auch wie mehrere ihrer Nachbarn ertranken oder von Trümmern zerquetscht wurden. Solche Erinnerung haben viele Bewohner des Ortes. Trotz dieser Erinnerungen haben sie sich entschieden zu bleiben, die Aufarbeitung des Erlebten und das Glück finden in der eigenen Umgebung ist aber unerlässlich damit das Bleiben nicht zur Last wird. Teile der Gründungsmitglieder von Karakuwa-maru waren freiwillige Helfer die nach gekommen waren um bei den aufräum Arbeiten zu helfen.
Ganz oben: Der Schrein!
Frau Kanno hatte ihre beiden Häuser als Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt, aber besonders das Gasthaus war sehr beschädigt und sollte abgerissen werden. Als das Haus schon fast zur Hälfte abgerissen war entschieden die freiwilligen Helfer aber anders. Frau Kanno hatte sie so herzlich in Karakuwa begrüßt und sie haben sich so wohl gefühlt. Aus dank haben sie das Gasthaus wieder aufgebaut und Frau Kanno hat aus Dank geschworen das jeder freiwillige Helfer immer ein Dach über dem Kopf bei ihr bekommen wird. Viele der freiwilligen Helfer waren Studenten (und haben viel Geld investiert um 1~2 im Monat zum helfen aus allen teilen Japans nach Karakuwa zu pendeln). nach und nach haben sich viele in den Fischerort und seine Menschen verliebt und sind nach ihrem Studium hierhin gezogen. Die aufräum Arbeiten waren jetzt aber zum größten Teil getan und andere Probleme traten in den Vordergrund, vor allem auch die Überalterung von gerade solchen Fischerorten. Die freiwilligen Helfer fragten sich warum so viele junge Leute wegziehen. Sie selbst hatten die Schönheit und das Miteinander im Vergleich zur Stadt so schätzen gelernt das sie Extra aufs Land gekommen waren.
Also haben sie sich entschieden den Menschen die dort Leben, aber auch Touristen die Schönheit des Ortes näher zu bringen. Und das tun sie vor allem, in dem sie die Leute die dort wohnen Ihre Geschichten, Mythen und Legenden erzählen lassen. Das hilft aber nicht nur den Zuhörern, sondern auch den Erzählenden neues zu entdecken. Diese Ansatz hat mich Wahnsinnig berührt. An diesem Abend erzählte ein Mitglied von Karakuwa-Maru auch seine persönliche Geschichte am Tag des Tsunamis. Es war wirklich sehr bewegend! Anschließend haben wir aber auch etwas das Leben gefeiert und bei reichlich Bier, Tee und Knabbereien den Abend auslaufen lassen!
Es wurde viel gelacht und gescherzt und ich kann verstehen was der Charme von Karakuwa ist. Im Gegensatz zu den Menschen in der Stadt wirkten die Menschen hier viel offener und fröhlicher und hatten keinerlei Berührungsängste! Auf alle Fälle ein legendärer Abend!
Am nächsten Morgen wurden wir in 3 Gruppen aufgeteilt und jede Gruppe durfte eine Karakuwa-Maru Tour mitmachen. Es gab eine Tour zu den Containern in denen viele Menschen noch leben und der Baustelle auf der die neuen Häuser für diese Menschen entstehen, eine Gruppe ist zu dem Tsunami-Gedenk-Museum gefahren und hat anschließend des Walgott besucht. Ich war in der Truppe die die unmittelbare Umgebung begehen durfte. Zunächst haben wir einen Gedenkstein neben dem Haus besucht, der mahnt das man bei einem Erdbeben schnell auf den nächsten Hügel klettern soll, denn es kann ein Tsunami folgen.
Der Tsunami nach dem Tohoku-Erdbeben war nicht der erste der verheerende Folgen für Karakuwa hatte, aber einer der schlimmsten. Dann haben wir den Schrein auf dem Hügel besucht. Nicht nur hat der Schrein schon das ein oder andere Jahrhundert auf dem Buckel, man hatte auch eine atemberaubende Aussicht auf die Bucht. Unser Guide hatte Bilder dabei, die uns gezeigt haben wie die Bucht sich während und durch die Katastrophe verändert hat. Etwas was mir vorher noch nicht so bewusst war ist, das es mehrere Wellen bei einem Tsunami gibt. Die erste Welle ist meist die Größte, aber nicht immer die die am meisten zerstört.
Die zweite und dritte tragen wegen der ersten Bereits viele Trümmer mit sich die großen Schaden anrichten. Da lernt man mal wieder zu schätzen, das man in einem recht Naturkatastrophen armen Land wie Deutschland lebt. Die Tour ging weiter in die Bucht, in der wir die Muschelzucht der Familie Kanno besuchten. Von da ging es weiter zum Gott der Bucht. Die Geschichte dieser Gottheit ist wirklich putzig, sprecht mich gerne mal darauf an und ich erzähle sie euch ;) Auf dem Rückweg haben wir noch zufällig einen Algenfarmer getrofen der uns auch gerne seine Algenaufbereitung gezeigt hat. Die Sorte Algen die er vertreibt sind wohl in ganz Japan bekannt und eine wahre Spezialität. Wir durften auch probieren, aber mir fehlte eindeutig das Dressing xD
Damit war unser Aufenthalt in Karakuwa auch leider schon wieder vorbei und es hieß weiter nach Iwate, wo wir die zweite Woche unseres Austausches verbringen und auch unsere Gastfamilien kennen lernen würden. Die Verabschiedung war herzlich und die Erinnerung an Karakuwa und die Arbeit die Karakuwa-Maru dort vor Ort betreibt wird mich noch länger beschäftigen und lässt mich einfach nicht los. Ich bin sehr dankbar, diese Erfahrung machen zu dürfen.




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