Samstag, 24. Oktober 2015

Deutsch- Japanisches Austauschprogramm für junge Ehrenamtliche - Tag 4&5 in Tokyo

Der vierte Tag startete mit einem gemeinsamen Frühstück mit der japanischen Delegation. Wir saßen jeweils in unseren späteren Diskussionsrunden zusammen. Am meisten Probleme machte dabei die Sprachbarriere. In unserer Gruppe waren zwei Mädchen die gut Englisch konnten - Ami-chan aus Hiroshima, die ehrenamtlich Führungen, auch für Ausländer, im Friedenspark Hiroshima gibt und Ran, die in ihrer Stadt hilft ein Austauschprogramm mit einer amerikanischen Schule zu organisieren. Der Rest konnte sich leider gar nicht ausdrücken. Wir hatten zwar in jeder Gruppe einen Dolmetscher (bei uns war es die liebe Lily, die uns auch die ganze Reise über begleitet hat), aber die müssen sich in den Pausen auch wirklich ausruhen. Auch unsere Diskussionsrunde lief am ersten Tag nicht ganz Runde. Wir sollten zu dem Thema: "Gemeinsamkeiten und Unterschiede des ehrenamtlichen Engagements in Japan und Deutschland und deren Hintergründe". Die erste Hürde stellten die kulturellen Unterschiede beim Diskutieren dar. Japaner warten gerne ab bis jeder in der Runde dran war und melden sich erst dann wieder zu Ort. Gerade wenn man sich nicht gut kennt oder sich nicht sicher ist hält man sich zurück.
Bild: Nicolai Oberthür
Wir Deutschen sind da eher "mit dem Kopf durch die Wand", mit großer Passion und diskutieren auch gerne alles aus. Das hatte zur Folge das in der ersten Tageshälfte eigentlich fast nur wir Deutschen geredet haben. Über die Mittagspause haben wir uns aber zusammen gerissen und auch Ami-chan und Ran befragt warum die Diskussion so einseitig verlief. Mit dem neuen wissen im Gepäck und einer Auflockerungsrunde (japanische Süßigkeiten aus den Regionen der japanisches Delegation verköstigen)lief es in der zweiten Tageshälfte gleich viel besser.Immer noch recht schleppend und vorsichtig im vergleich zu oft recht hitzigen Diskussionen in Deutschland, aber jeder hat sich eingebracht und seine Gedankengänge geäußert. Abends dann ging es für unsere Gruppe zu einem Sommerfest in den Stadtteil Harajuku. Wir Deutschen haben dafür Yukata bekommen :) Ich durfte die Mädchen in meiner Gruppe einkeiden und die Japaner waren sehr beeindruckt das eine Langnase tatsächlich Yukata binden kann ;) Das Fest war wirklich richtig schön und beeindruckend. So viele gute Tanzgruppen, ich war richtig hypnotisiert! Anschließend sind wir Udon essen gegangen und haben natürlich auch PuriCura gemacht - wie sich das gehört!
Bild: Nicolai Oberthür
Alle Mitglieder der japanischen Delegation sind richtige Zuckerstücke, und selbst wenn es mit der Kommunikation nicht immer so gut klappte haben sich alle bemüht und Spaß hatten wir trotzdem :) Der nächste Tag, Sonntag, war dann schon wieder das Ende des Wochenendseminars. Nach dem gemeinsamen Frühstück und einer letzten Diskussionsrunde mussten wir unsere Ergebnisse zusammentragen und eine Präsentation erstellen. Auch da zeigten sich wieder die Unterschiede. Wo wir Deutschen einfach einteilten wer zum Thema etwas sagt war den Japanern wichtig das wir nochmal ganz genau festlegen was gesagt wird. Aber wirklich GANZ genau! Deutsche so: Impro?!
Japaner so: NO GO! Das war für mich hart ungewohnt und das hat mich auch furchtbar genervt, so durchsprechen von Kleinigkeiten und genauen Wortlauten. BAH! Da wird dann doch mal das Verständnis füreinander auf die Probe gestellt - besonders weil auch laaaangsam der Schlafmangel durchkam. Aber alle Gruppen haben es am Ende geschafft schöne Beiträge auf die Beine zu stellen. dabei wurde klar, das sich vor allem das gesellschaftliche Standing von Ehrenamt in den beiden Ländern unterscheidet. Während in Deutschland Ehrenamtliches Engagement hochgestellt wird, für manche Stipendien Voraussetzungen sind und auch Vorteile bei der Jobsuche bringen kann, ist es in Japan nicht so hoch anerkannt und hat manchmal sogar eher einen Negativen ruf.
Bild: Nicoai Oberthür
So wird es von manchen Japanern wohl so wahrgenommen, das wenn man einen Ehrenamt nachgeht, man sich selbst als einen besseren Menschen darstellen möchte und sich in den Vordergrund stellt. Die Kriesenhilfe in Fukushima hat etwas geholfen, das zu ändern. Auch scheint Politik und Ehrenamt streng getrennt zu sein in Japan. In Deutschland gibt es viele Institutionen bei denen man sich Ehrenamtlich betätigen kann die rein politischer Natur sind. In Japan beschränkt sich das Ehrenamt eher auf Kriesenhilfe und arbeiten mit Kindern und Alten. Die Unterschiede waren für uns wirklich sehr interessant und beeinflussen die Art wie Ehrenamt ausgeführt wird sehr.
Anschließend an die Präsentationen haben sowohl unsere als auch die japanische Delegation das Wochenende nochmal getrennt reflektiert. Für die Japaner hieß es dann, Heimreise antreten! Da wir relativ früh Schluss hatten haben wir Deutschen uns entschieden nochmal eine etwas weitere Tour anzutreten und Asakusa zu besuchen.
Wach bleiben während der U-Bahn fahrt stellte sie dabei als echte Herausforderung heraus! Irgendwie haben wir es aber geschafft, und wie bei allen unseren Tempelbesuchen hat es natürlich geregnet! Das hat das Licht aber nochmal schöner gemacht, war also gar nicht sooo schlimm ;) Anschließend sind wir erst in Harajuku (PuriCura und Crêpes!) und dann mal wieder in Shibuya gelandet.
Der Weg zurück zu unserer Herberge ist gut zu laufen von der Shibuya Crossway und die engen, vollen bunten Straßen einfach zu verführerisch! :) Natürlich haben wir auch nochmal in einer Spielhalle halt gemacht und sind den Versuchungen der Automaten erlegen! Wir immer ging es also spät nach Hause! Der nächste Tag war unser letzter Tag in Tokyo und der einzige Tag, der uns zur freien Verfügung stand. Für mich hieß das: Shopping!


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